Checkliste: Typische Risikoindikatoren für problematisches Glücksspiel
Nicht jedes intensive Spielverhalten ist automatisch problematisch. Aber bestimmte Muster tauchen bei fast allen Spielerinnen und Spielern auf, die die Kontrolle verlieren. Die folgende Liste ist bewusst konkret gehalten und richtet sich an deutschsprachige Online-Spieler, die ihr eigenes Verhalten nüchtern überprüfen wollen.
1. Zeit – wenn Glücksspiel den Tagesablauf frisst
- Sie spielen deutlich länger als geplant (z.B. aus „kurz 20 Minuten“ werden regelmäßig 2–3 Stunden oder mehr).
- Sie verschieben andere Aktivitäten wegen des Spielens (Sport, Treffen mit Freunden, Haushalt, Schlaf).
- Sie spielen zu Zeiten, zu denen Sie früher nicht gespielt haben (z.B. morgens vor der Arbeit, nachts bis spät).
- Sie denken auch außerhalb der Spielzeiten häufig ans Spielen (z.B. im Büro, in der Bahn, beim Abendessen).
- Sie loggen sich an mehreren Tagen pro Woche ein, obwohl Sie sich Pausen vorgenommen hatten.
2. Geld – wenn Einsätze und Verluste kippen
- Sie überschreiten regelmäßig Ihr selbst gesetztes Budget oder ignorieren Limits, die Sie sich vorgenommen haben.
- Sie spielen mit Geld, das eigentlich für Fixkosten gedacht ist (Miete, Versicherungen, Kredite, Lebensmittel).
- Sie heben Kreditrahmen aus (Dispo, Kreditkarte), um weiterspielen zu können.
- Sie versuchen Verluste gezielt zurückzugewinnen („Chasing“), anstatt sie als abgeschlossen zu akzeptieren.
- Sie machen mehrere Einzahlungen hintereinander, obwohl Sie sich bei der ersten Einzahlung ein klares Limit gesetzt hatten.
- Sie leihen Geld von Freunden oder Familie, ohne offen zu sagen, dass es fürs Spielen gedacht ist.
- Sie verstecken Kontoauszüge, Zahlungsbestätigungen oder Glücksspiel-Transaktionen vor anderen.
3. Kontrolle – wenn das Stoppsignal nicht mehr greift
- Sie nehmen sich vor, nicht oder weniger zu spielen – halten sich aber regelmäßig nicht daran.
- Sie versuchen, Pausen einzulegen, brechen diese aber vorzeitig ab (z.B. nach wenigen Tagen wieder online).
- Sie reagieren gereizt oder unruhig, wenn Sie nicht spielen können (z.B. wegen gesperrtem Konto oder fehlendem Geld).
- Sie wechseln Plattformen oder Zahlungswege, wenn ein Limit erreicht oder ein Konto gesperrt wurde.
- Sie loggen sich auch dann ein, wenn Sie sich eigentlich unsicher oder unwohl damit fühlen.
4. Stimmung & Flucht – wenn Spielen zum Ausweg wird
- Sie spielen vor allem, um von stressigen Gedanken, Problemen oder unangenehmen Gefühlen abzulenken.
- Ihre Stimmung hängt stark vom Spielergebnis ab (Euphorie bei Gewinnen, starke Niedergeschlagenheit bei Verlusten).
- Sie fühlen sich nach dem Spielen häufig leer, beschämt oder schuldig – spielen aber trotzdem weiter.
- Sie haben das Gefühl, nur im Spiel „abschalten“ oder „Ruhe finden“ zu können.
- Sie lügen gegenüber nahestehenden Personen über Dauer oder Höhe Ihres Spielens, um Diskussionen zu vermeiden.
5. Beziehungen & Alltag – wenn das Umfeld mitbetroffen ist
- Freunde oder Familie haben Sie bereits auf Ihr Spielverhalten angesprochen oder Kritik geäußert.
- Sie sagen Verabredungen ab oder sind gedanklich abwesend, weil Sie an Spielen oder Verluste denken.
- Sie verheimlichen Spielkonten, E-Mail-Adressen oder Zahlungswege vor Ihrem Umfeld.
- Konflikte in Partnerschaft oder Familie drehen sich zunehmend um Geld oder „ständig am Handy sein“.
- Leistungen im Job oder Studium lassen nach (Verspätungen, Konzentrationsprobleme, Fehlzeiten).
6. Selbstbild & Rechtfertigungen – wenn Ausreden Routine werden
- Sie erzählen sich immer wieder, ein großer Gewinn werde „alles regeln“ (Schulden, finanzielle Engpässe).
- Sie spielen riskanter oder mit höheren Einsätzen, um „es diesmal wirklich zu schaffen“.
- Sie vergleichen sich mit anderen, um das eigene Verhalten zu verharmlosen ("Andere verlieren viel mehr").
- Sie blenden Gewinne überdurchschnittlich stark aus und erinnern sich vor allem an „Beinahe-Gewinne“.
- Sie verschieben klare Entscheidungen („Ich hör nächste Woche auf“, „Nach dem Urlaub setze ich Limits“) immer wieder.
Wie diese Liste zu lesen ist
Ein einzelner Punkt macht noch kein problematisches Spielverhalten. Wenn Sie sich jedoch in mehreren der genannten Aussagen wiedererkennen – insbesondere bei Geld, Kontrolle und Auswirkungen auf Beziehungen oder Arbeit – ist das ein ernstzunehmender Hinweis. In diesem Fall ist es sinnvoll, das eigene Spielverhalten bewusst zu hinterfragen, vorhandene Schutzwerkzeuge (Limits, Pausen, Selbstsperren) aktiv zu nutzen und im Zweifel frühzeitig externe, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Je früher gegengesteuert wird, desto einfacher ist es in der Regel, wieder einen kontrollierten Umgang mit Glücksspiel zu finden – oder bewusst ganz darauf zu verzichten.